Ausstellungsvorschau

Eda Kadiric, The Gatekeeper, 2016, Sammlung Carmen Würth, Inv. 17220

Edita Kadirić: Cocoon – Sammlung Carmen Würth und Leihgaben
16. Juli – 13. November 2022

In der zweiten Jahreshälfte 2022 zeigt das Museum Würth eine Werkschau mit Arbeiten von Edita (Eda) Kadiric, einer Künstlerin, die die Sammlerin Carmen Würth für das Haus entdeckt hat. Die 1976 in Banja Luka (heute: Bosnien und Herzegowina) geborene Kadiric blickt auf eine sozialistische Kindheit und eine Jugend im Krieg des ehemaligen Jugoslawien voller Unsicherheit und Gewalt zurück. Wie in einem reflex darauf ermöglicht die Künstlerin den geheimnisvollen Wesen ihrer Kunst – zumeist Mädchen und jungen Frauen, aus deren Körpersprache noch deutlich die Verletzlichkeit Pubertierender hervortritt – einen scheinbar zeitlosen Zustand in sicherem raum.

Über mehrere Jahre hinweg entwickelte Kadiric eine Werkserie, die sich um das Thema Kindheit dreht. Die Künstlerin umschreibt diesen Zyklus mit dem Wort »Cocoon«, weil er für sie eine schützende Blase symbolisiert. In diesen magischen und geschützten raum stellt sie ihre zerbrechlichen Figuren, die als Stellvertreterfür unser Bewusstsein und unser inneres Kind stehen.

Wie erträumt – im atmosphärischen Zauber des Wortes – erscheinen die zarten, schmalgliedrigen Wesen in den Zeichnungen und Gemälden. Als sei ihr Zuhause in einem Zwischenreich angesiedelt: zwischen realistischer Wiedergabe, Idealisierung, Typisierung, Adaption, Anschauung, Andeutung, Erinnerung, Empfindung, Selbstversunkenheit und Symbolismus. Die Liste ließe sich fortsetzen. Nie, so hat man den Eindruck, ist nur eine der genannten Komponenten allein im Spiel, und auch wenn manche Bilder motivisch oder auch stilistisch stark auf Vorbilder bezogen sein mögen, zeugen sie doch stets von einem sehr individuellen Zugriff.

Geschickt setzt Kadiric die Schönheit ihrer Farbpalette und die Anmut ihrer Protagonistinnen zu unserer ästhetischen Verführung ein. Die Werke faszinieren, doch sie wecken widersprüchliche Gefühle: Gehen Schönheit und Zärtlichkeit da nicht eine abgründige Allianz mit Sprachlosigkeit, Trauer und Verletzlichkeit ein? Edita Kadiric versucht, das Unbehagen der Betrachtenden zu provozieren. Ihre Arbeiten rufen auch zu Selbstidentifikationen auf, die unangenehm und schmerzhaft sein können.

Dass das, was wir hier anschauen können, eine durchgängig sinnliche Erfahrung bleibt, ist wohlbedacht: Fasziniert von der Vielfalt an Ausdrucksformen, die die Kunstgeschichte hervorgebracht hat, ist der ästhetische resonanzboden, der in Kadiric’ Werken mitschwingt, ebendort zu suchen – von der Gotik über die auratische Ikonenmalerei ihrer slawischen Heimat bis zu Jugendstil, Symbolismus und Surrealismus. Daraus entwickelte sie einen unverkennbar eigenen Stil. Die Zeichnung ist dabei das Medium, aus dem sich alles herausbildet. Dies zeigt sich auch in den neueren Objekten und Animationsarbeiten, die die Ausstellung ergänzen.

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation im Swiridoff Verlag, Künzelsau.

EDITA (EDA) KADIrIC

  • 1976 In Banja Luka, Jugoslawien (heute Bosnien und Herzegowina), geboren
  • 1997 Diplom an der Kunstakademie in Novi Sad
  • 1999 Magister an der Universität der Bildenden Künste in Belgrad
  • 2000–2016 Exklusive Vertretung durch die Prom-Galerie in München, zahlreiche Ausstellungen
  • 2015 Abschluss des Postgraduierten-Studiums Art Intermedia (Production and research) an der Universitat de Barcelona
  • 2016 Preis der IX Biennal d'Art de riude bitlles, Sant Pere de riudebitlles (Barcelona)

Edita Kadiric lebt und arbeitet in Frankreich,Spanien und Serbien.

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