Ausstellungsvorschau

SIEGFRIED ANZINGER
Blick zurück und nach vorn
Sammlung Würth und Leihgaben

28. Januar bis 13. Oktober 2019

Von der Zeichnung verlange ich klare Definitionen, Malerei verbinde ich mit einem Gesamtton. Zeichnungen lese ich, Bilder will ich hören. (Siegfried Anzinger)

Mit einer umfangreichen Einzelausstellung würdigt das Museum Würth 2019 einen der universellsten Künstler seiner Generation: Siegfried Anzinger. Der 1953 im oberösterreichischen Weyer geborene Wahlkölner studierte an der Akademie der bildenden Künste Wien und war in den frühen 1980er-Jahren maßgeblich am Aufbruch einer neuen Malereiszene in Österreich beteiligt. Bereits 1982 war er bei der documenta 7 in Kassel vertreten, 1988 bespielte er den Österreichischen Pavillon auf der Biennale in Venedig. Seit 1997 hat er eine Professur für Malerei an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf inne.

Siegfried Anzinger ist der figurativen Malerei stets treu geblieben und hat einen eigenen, unverwechselbaren Stil entwickelt. Dabei überrascht er mit immer neuen Bildfindungen. Zu Beginn seiner Karriere, als Figuren wie Der Mondgeher in den wie hingeschmiert wirkenden Öloberflächen beinahe zu ertrinken schienen, wird er unter dem wenig differenzierten Etikett »Neuer Wilder« gehandelt. Damals beginnt er zudem, seinem expressiv-malerischen Werk ein plastisches zur Seite zu stellen. Seitdem entstehen neben Gemälden und Zeichnungen auch bewegte Terrakottaskizzen. Manche von ihnen werden im großen Format ausgeführt und in Bronze gegossen, wie etwa die Berlinerin. Immer stehen die Plastiken jedoch in direkter Wechselwirkung zur Malerei.

Beispiele der subtil zwischen Gegenstand und Abstraktion balancierenden, sehr viel klassischer anmutenden Karren- und Madonnenmotive, die um die Jahrtausendwende entstanden, fanden beizeiten Eingang in die Sammlung Würth. Inzwischen bedient Anzinger sich der Leimfarbe, die er ohne Vorzeichnung vermalt. Rasch, aber nicht spontan, denn die Leimfarbe trocknet schnell. Daher unterzieht Anzinger nicht nur seine Madonnen, sondern mit gleicher Ernsthaftigkeit und Konzentration auch seine aktuellen Werkgruppen der Prozedur des Erprobens, Verwerfens und der Befragung der selbst geschaffenen Formwelten. In ihnen widmet er sich in narrativer Form immerwährenden Motiven wie der Schöpfung und der Flucht oder absurd-komisch anmutenden Episoden aus der Welt von Cowboys und Indianern.

Denn letztlich geht es ihm immer um die Möglichkeiten der Malerei als Malerei. Je unaufgeregter oder simpler das Sujet, desto besser. Statt auf Pathos, Effekt oder Gefühl zu setzen, streut er lieber eine Prise Humor in die Komposition. Die steht dann in merkwürdigem Kontrast zur noblen Mattheit der Leimfarbe, die den Werken gelegentlich die Anmutung barocker Deckenfresken verleiht.

Was wie rasch dahingepinselt wirkt, generiert sich aus einem jahrelang erarbeiteten variantenreichen Bildkanon. Ganz gleich ob ein heiliger Michael mit dem Drachen kämpft oder Mozart als Löwenbändiger in der Manege erscheint: Das Repertoire seiner Bildszenen speist sich erkennbar aus der Religions- und Kunstgeschichte, lässt jedoch deren repräsentative, symbolische, erzählerische oder psychologische Aspekte außer Acht. Vielmehr hält er die Malerei als Präsenz am Leben und sucht nach neuen Wegen und Möglichkeiten ihrer Artikulation, auch indem er Malerei und Zeichnung gekonnt miteinander verbindet.

Mit zahlreichen Gemälden, Zeichnungen und Skulpturen aus unterschiedlichen Werkphasen ist Siegfried Anzinger in der Sammlung Würth vertreten. In enger Kooperation mit dem Künstler und unter Einbezug zahlreicher aktueller Werke aus seinem Atelier wird dieser Bestand nun erstmals in Gänze der Öffentlichkeit präsentiert. So wirft die Ausstellung sowohl einen Blick zurück als auch nach vorn und folgt Haupt- und Nebenwegen des vielseitigen Werks, das sich gleichzeitig sinnlich und zerrissen, komplex und spielerisch, immer aber spannungsvoll zeigt.

Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog im Swiridoff Verlag.

Informationsflyer zum Download Informationsflyer zum Download

​ ​