Von A bis Z. Künstlerbücher in der Sammlung Würth

18. Oktober 2018 bis 5. Mai 2019

Es mag irreführend wirken, all diese ausgestellten Dinge »Buch« zu nennen, erscheinen sie doch in ganz unterschiedlichen Formen. So finden sich in der Sammlung Würth Bücher, die fast ganz ohne Buchstaben auskommen, andere, die nicht oder nicht mehr die Form von Büchern haben, zahlreiche, die sich als Buch präsentieren und dennoch nicht lesbar sind, und schlussendlich auch solche, die dem klassischen Format von Text plus Bild folgen. Sie alle gehören der schwer einzugrenzenden Gattung der Künstlerbücher an. Vor annähernd hundert Jahren haben vor allem bildende KünstlerInnen das Medium Buch für sich entdeckt und auf seine Bedingungen, Grenzen und Möglichkeiten bis heute befragt.

Die Ausstellung bietet einen Einblick in die Vielfalt an Künstlerbüchern, die sich in der Sammlung Würth befinden. Ein Schwerpunkt ist dabei dem frühen 20. Jahrhundert gewidmet, in dem vor allem VertreterInnen von Surrealismus und Dada Grenzgänge zwischen Kunst und Literatur unternahmen. Gerade aus der Zusammenarbeit von Malern und Autoren – wie beispielsweise von Max Ernst (1891–1976) und Paul Éluard (1895–1952) – erwuchsen Experimentierfelder für neue Ausdrucksformen, bei denen die Gesetze des Zufalls und die Tiefen des Unbewussten eine bedeutende Rolle spielten.

Nach dem Bruch des Zweiten Weltkriegs beginnt, was meist als die eigentliche Blütezeit des Künstlerbuches beschrieben wird. In der DDR entstehen zahlreiche Editionen und Künstlerzeitschriften wie die Herzattacke, die mit ihren kleinen Auflagen weniger der staatlichen Kontrolle ausgesetzt waren. Auf der anderen Seite des Atlantiks experimentiert Andy Warhol (1928–1987) mit Warenästhetik und Konsumgütern und fertigt kleinformatige Künstlerbücher als Werbebüchlein an.

Neben dem Überschreiten der Grenzen zwischen Kunst und Literatur wird nun auch die Form des Buches an sich verändert, etwa bei Günther Uecker (geb. 1930), Anthony Caro (1924–2013) und Sabine Hoffmann (1926 bis 2016), die die Objekthaftigkeit des Buches betonen. Andere wiederum benutzen das Buch als eine Art Speichermedium, in dem tagebuchartige Aufzeichnungen ihren Platz finden: Günter Grass (1927–2015) verfasst Fundsachen für Nichtleser und Wilhelm Beuermann (1937 – 2006) malt Tagebilder-Bücher.

So unterschiedlich die Exponate, so vielfältig sind die Kontexte, in denen die gezeigten Künstlerbücher entstanden sind. Der Gang durch die Ausstellung wird damit zur Entdeckungstour durch die Kunstgeschichte des letzten Jahrhunderts, vor allem aber zu einem großen Lese- und Schauvergnügen.

KünstlerInnen der Ausstellung

Horst Antes, Hans Arp, Antonin Artaud, Maximilian Barck (Künstlerzeitschrift Herzattacke), Thomas Bernhard, Wilhelm Beuermann, Victor Brauner, André Breton, Anthony Caro, Eduardo Chillida, Salvador Dalí, Robert Desnos, Paul Éluard, Max Ernst, Yvan Goll, Günter Grass, HAP Grieshaber, Sabine Hoffmann, Wassily Kandinsky, Anselm Kiefer, Félix Labisse, Max Liebermann, Markus Lüpertz, Franz Marc, André Masson, A. R. Penck, Benjamin Péret, Pablo Picasso, Franz Ringel, Dieter Roth, Jean-Paul Sartre, Sophie Taeuber-Arp, Günther Uecker, Tomi Ungerer, herman de vries, Andy Warhol, Walter Wörn, Klaus Zylla

 

Informationsflyer zum Download

​ ​