HAP Grieshaber

HAP Grieshaber und der Holzschnitt
Sammlung Würth und Leihgaben

23.10.2017 – 03.06. 2018

Der Holzschneider mit seinem Messer ist, wie der Bauer mit seinem Pflug, der Gärtner mit dem Spaten, der Metzger mit dem Beil, bei seinem Tun vom Gesetz des Handwerks geschützt. Dies Gesetz läßt kein uferloses, unverantwortliches Abenteuern zu, es ist ein Korrektiv der Natur.
HAP Grieshaber, 1962

Der Holzschneider, Typograph, Drucker und Maler HAP Grieshaber (1909 – 1981) gehört zu den bedeutendsten und eigenwilligsten deutschen Künstlern seiner Zeit. Sein Werk zeichnet sich durch einen großen Variantenreichtum in Themen und Techniken aus. Mit seinem Wirken hat er aber nicht nur künstlerische Bedeutung erlangt, sondern sich auch immer wieder gesellschaftspolitisch eingemischt. "Ich will die großen Themen der Menschheit angegangen haben." sagte Grieshaber selbst. Seine Holzschnitte haben eine eigene, unverwechselbare Bildsprache und mit seinen großformatigen Arbeiten revolutionierte er deren Technik und schuf bildmäßige Kompositionen, die in ihrer Zeit singulär sind.

Spätestens mit der Berufung an die Karlsruher Akademie im Jahr 1955 zeigte sich auch seine pädagogische Begabung. Horst Antes, Hans Baschang, Dieter Krieg, Heinz Schanz oder Walter Stöhrer haben durch seine Lehre mannigfaltige Anregungen erhalten. Ihnen verdankt die damals die Malerei prägende informelle Stilrichtung einen Anstoß zur Auseinandersetzung mit der Figur, so dass Grieshabers Klasse zu einer wichtigen Keimzelle der Neuen Figuration wurde.

In über 100 Werken aus dem Bestand der Sammlung Würth, ergänzt um zahlreiche Leihgaben, wird die Vielfalt in Grieshabers Holzschnitten deutlich. Im Zentrum der Ausstellung stehen dabei Arbeiten aus den Jahren 1960 bis 1980, darunter so bedeutende Zyklen wie der Totentanz von Basel oder der Osterritt. Auch Grieshabers gesellschaftspolitisches Engagement zeigt sich in vielen Plakatentwürfen und einer Auswahl der Zeitschrift Der Engel der Geschichte. Seine Person und Arbeitsweise wird zudem durch die 1970 erschienene Publikation die holzwege des hap grieshaber beleuchtet, die der Fotograf und Autor Paul Swiridoff in einem langjährigen Prozess mit dem Künstler erstellt hat und deren Entstehen anhand einer Fotodokumentation aufgezeigt wird.

Biografie

1909 Am 15. Februar in Rot a. d. Rot (Oberschwaben) geboren
1924 -1927 Lehre als Schriftsetzer und Buchdrucker in Reutlingen
1926–1928 Gleichzeitig Studium der Gebrauchsgrafik, der Kalligrafie und des Buchdrucks an der Staatlichen Kunstgewerbeschule Stuttgart
1931-1933 Aufenthalt in London und Studienreisen nach Ägypten und Griechenland
1933–1940 Berufsverbot der Reichskulturkammer; Hilfsarbeiter und Zeitungsausträger in Reutlingen; Entstehung der »Reutlinger Drucke«
1940 Einberufung zum Kriegsdienst
1945/46 Kriegsgefangenschaft und Zwangsarbeit in Belgien
1950 Mitwirkung bei der Neugründung des Deutschen Künstlerbundes
1951-1953 Dozent an der Kunstschule im Kloster Bernstein in Sulz am Neckar
1955 Teilnahme an der documenta I in Kassel
1966-1960 Lehrtätigkeit an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe
1957 Oberschwäbischer Kunstpreis
1959 Teilnahme an der documenta II in Kassel
1961 Kunstpreis der Stadt Darmstadt
1962 Cornelius-Preis der Stadt Düsseldorf; Einzelausstellung auf der 31. Biennale in Venedig
1964 Teilnahme an der documenta III in Kassel mit der sogenannten documenta-Wand
1968 Kulturpreis des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Recklinghausen
1971 Dürer-Preis der Stadt Nürnberg
1972 Ehrensenator der Universität Tübingen
1976 Gemeinsam mit Rolf Szymanski begründet er den Jerg-Ratgeb-Preis
1978 Gutenberg-Preis der Stadt Leipzig; Korrespondierendes Mitglied der Akademie der Künste der DDR
1981 HAP Grieshaber stirbt am 12. Mai in Eningen unter Achalm bei Reutlingen.

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