Themenführungen für Junge Erwachsene ab 10. Klasse

Lesen ohne Buchstaben. Die Heiligen und ihre Symbole (Attribute)
Petrus trägt einen Schlüssel, Andreas das Andreaskreuz, Barbara trägt oder steht neben einem Turm, Jakobus zeigt sich mit einer Muschel, Dorothea hält Blumen. Was bedeuten diese Symbole? Können wir heute diese alten Bilder noch lesen?
Da die meisten Menschen früher weder schreiben noch lesen konnten, spielten die bildlichen Darstellungen eine überaus große Rolle in der Vermittlung und Verbreitung der religiösen Ideen und Lehren. Ähnlich dem heutigen Comic konnten die Menschen damals die Bilder in den Kirchen „lesen“. Diese Attribute ermöglichten es die Personen der christlichen Erzählungen zu identifizieren. Ebenso wichtig waren die Farben der Kleidung oder ihre Charakteristika.
Diese für uns heute ungewohnte, manchmal sogar unbekannte Bildsprache eröffnet spannende Geschichten und Botschaften, die wir in den Bildern entdecken wollen.

Die Eroberung des malerischen Bildraums mittels der Perspektive
Die große Neuerung der italienischen Renaissance war die Entwicklung der räumlichen Perspektive. Die Künstler südlich der Alpen waren wesentlich fortschrittlicher als ihre Kollegen im Norden, die den Hintergrund zu diesem Zeitpunkt noch mit dem traditionellen Goldgrund gestalteten. Es ist spannend zu verfolgen, wie im Laufe der Zeit der Raum, die Umgebung, die Landschaft immer stärker ins Bild integriert werden. Formale Kriterien des Bildaufbaus rücken in den Mittelpunkt. Ein Ideal der Renaissance war das Dreieck und der Halbkreis. Anhand dieser Formen wurde die Komposition ihrer Bilder aufgebaut. Die dargestellten Personen sollen idealerweise das Volumen einer Pyramide füllen. Diese künstlerische Entwicklung ist Ausdruck eines immer stärkeren Zurücktretens der jenseitigen Weltsicht.
Die diesseitige, irdische Welt gewinnt dagegen zunehmend an Bedeutung.

Vom bescheidenen Stifter eines Kunstwerks zum stattlichen Kaufmann.

Die Entwicklung des Porträts
Erkennbare Ähnlichkeit der dargestellten Personen und ihrer seelischen Befindlichkeiten sind Kennzeichen einer neuen „realistischen“ Auffassung, die in der spannenden Übergangszeit vom Mittelalter zur Neuzeit neu aufkommt. Die Heiligen gehören sozusagen der Vergangenheit an. Die Zeit der Reformation und des Humanismus haben ihre eigenen „Heiligen“. Porträts bedeutender Persönlichkeiten wie Martin Luther, Katharina von Bora, Philipp Melanchthon, Susanna von Bayern erscheinen vor einem dunklen Hintergrund und zeigen so die irdische Person ganz im Hier und Jetzt.

Matthias Grünewald und Meister von Meßkirch.
Ein Stilvergleich und die Frage nach Biografie und Zuschreibung der Künstler im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit Grünewalds Werk zeigt auf besondere Weise die fanatisch - asketische Grundstimmung der Zeit des Umbruchs vom Mittelalter zur Neuzeit. Einflüsse der Mystik spielen eine Rolle. Die Besonderheit Grünewalds wird sehr deutlich im Vergleich mit einem anderen Künstler der Zeit, dem Meister von Meßkirch, der sich von Albrecht Dürer beeinflusst zeigt und den Stil der Renaissance verkörpert. Beide Künstler sind mit Kreuzigungsdarstellungen in der Ausstellung vertreten und können hieran verglichen werden.

Bildhauer Werkstatt!
Lockig geschwungene Haare, fein modellierte Gesichter und Hände, kaskadenartige Faltendraperien und erstarrte Bewegungsabläufe. Die Lindenholzskulpturen von Tilman Riemenschneider zeigen im besonderen Maße das große schnitztechnische Können und die mimetische Beobachtungsgabe des Bildschnitzers und Bildhauers.
Doch wie ist die Arbeitsweise eines Bildschnitzers der Neuzeit: wird das Holz anhand einer Vorzeichnung bearbeitet, welche Werkzeuge werden benötigt und warum werden manche Holzfiguren angemalt und andere wieder nicht? Zudem diskutieren wir in der Gruppe über die Bildhauer Werkstätten an sich, wird dort im Team gearbeitet oder schnitzt ein Riemenschneider seine Figuren alleine.

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